Ein
paar Worte zur vertikalen Fortbewegung....
Wenn
man sich mit dem (schnellen) Abseilen (engl.: rappel) beschäftigt, sollte
man sich von Anfang an darüber im Klaren sein, dass hier ein falscher
Knoten oder ein unachtsamer Schritt wahrscheinlich schlimme Folgen hat. Bei
unkonzentriertem Vorgehen kann man schnell unfreiwillig vom Abseilen zum Base-Jumping
übergehen. (Nur eben ohne Fallschirm....)
Im
Gegensatz zum Bergsteigen ist man hier im Normalfall völlig ungesichert!
Verliert man das Seil aus der Hand, läuft es so gut wie ungebremst durch
den Abseilachter! Selbsthemmende Abseilgeräte, wie sie von vielen behördlichen
Einheiten benutzt werden, sind auf dem zivilen Markt so gut wie nicht verfügbar.
Es lohnt sich also, sich vorher ganz klar zu machen, dass die entsprechende
Hand auf jeden Fall am Seil bleibt, auch, wenn man z.B. mit den Füßen
abrutscht und sich reflexartig abstützen will, bevor man gegen die Wand
stößt.
Und
eine Sache wäre da noch:
Wir
übernehmen keinerlei Haftung für evtl. entstehende Sachschäden
oder Verletzungen! Bei diesem Text handelt es sich um eine Beschreibung bzw.
Erklärung der Techniken und Ausrüstung, die wir persönlich
anwenden!

Die
Grundausrüstung
Im Prinzip besteht
die minimale Ausrüstung aus vier Teilen:
1:
Klettergurt -
Standardmäßig besteht der Klettergurt aus zwei Beinschlaufen in
Verbindung mit einem Hüftgurt, an dessen Vorderseite der Abseilachter
befestigt wird. Ein zusätzlicher Brustgurt kann die Sicherheit noch erhöhen,
ist aber nicht notwendig. (Preise: 30,- bis 90,- € für Sitzgurt
und 15,- bis 30,- € für Brustgurt)
2:
Abseilachter -
Der Abseilachter
ermöglicht die Regelung der Sinkgeschwindigkeit bis zum Stillstand. Es
gibt die verschiedensten Ausführungen und Formgebungen. Ein wichtiger
Unterscheidungspunkt ist die Auslegung des Achters entweder für die Benutzung
eines einzelnen Seilstranges oder eines Doppelseils. (Wir selbst benutzen
aussließlich ein doppeltes Seil.) Ein Achter für Doppelseile ist
etwas größer als einer für Einfachseile und hat eine viel
geringere Bremswirkung, die aber durch das doppelte Seil ausgeglichen wird.
(Preis: 8,- bis 20,- €)
3:
Seil -
Hier sollte man nicht zu der billigen Variante aus dem Baumarkt greifen! Diese
Seile erfüllen zwar auf den ersten Blick den gleichen Zweck und haben
auch eine scheinbar ausreichende Tragfähigkeit von mehreren hundert Kilogramm.
Aber nicht grundlos ist das Bersteigerseil der teuerste Bestandteil der Ausrüstung!
Erstens ist die Festigkeit noch um einiges höher und zweitens ist ein
"Baumarkt-Seil" auch konstruktiv nicht für die beim Abseilen
auftretenden ruckartigen Belastungen geeignet. Es gibt zwei Unterschiede:
a) Alpinseile dehnen sich bei Belastung um 5
bis 8 %. Dadurch werden Stöße abgefedert. "Baumarkt-Seile"
dagegen sind nicht dehnbar.
b) Bei billigen Seilen kann sog. "Mantelrutsch"
auftreten. Das heißt, dass sich die Außenhülle des Seils
relativ zum Kern verschiebt und der Achter dadurch nur am Seilmantel "zieht",
der eigentlich gar nicht das stabile, tragende Element ist. Das Seil wird
also ungleichmäßig und viel höher belastet. Außerdem
wird der Mantel an unteren Seilende zusammengeschoben, wodurch sich Verdickungen
bilden, die das Abseilen sehr unkomfortabel machen....
Lange Rede, kurzer Sinn: Bein Kauf des Seil entscheiden Sie sich , woran Ihr
Leben hängen wird! Produkte aus dem Baumarkt sind hier keine Alternative.
Wenn Das Seil oben reißt, hat sich auch das mit der Brems-Hand erledigt.
(Preis: 80,- bis 120,- € für ein 50-Meter-Einfachseil mit 10,5 mm
Durchmesser)
4:
Handschuhe -
Zum Schutz vor "heißen Fingern", die das durchlaufende Seil
schon bei niedrigen Geschwindigkeiten verursachen kann, sind Handschuhe unverzichtbar.
Sehr gut geeignet sind Vollfingerhandschuhe aus Leder.
Zusätzlich
-
Karabiner:
Für die Verbindung des Achters mit dem Sitzgurt und die Befestigung des
Seils werden mehrere mittlere bis große Karabiner mit einer Bruchlast
von mind. 25kN (2,5 Tonnen) benötigt.
Schlinge / Express-Schlinge: Besteht aus extrem
reißfestem Gurtmaterial und ist in verschiedenen Größen erhältlich.
Sie verbessert die Möglichkeiten der Seilbefestigung. Für solches
Zubehör gilt allgemein: Lieber ein Teil zuviel, als eins zu wenig. (Preise:
8,- bis 20,- €)
Going
down...
OK, kommen wir
endlich zur Praxis. Die
eigentliche Abseiltechnik lässt sich wohl am besten mit Hilfe einiger
Fotos erläutern. Von allen Aufnahmen sind auch größere Versionen
anwählbar....
Die
Sicherung
Die in entsprechenden
Geschäften erhältlichen Fallsicherungen haben den Nachteil, dass
sie nach ihrer Aktivierung nur durch eine Bewegung nach OBEN gelöst werden
können. Dazu muss das Seil fast vollständig entlastet werden, was
aber in unserem Fall nur sehr selten möglich ist. Man müsste ja
genau so hängen, dass man sich auf irgend einen Absatz stellen und dann
die Sicherung lösen kann. Außerdem lassen diese Geräte keine
so hohen Sinkgeschwindigkeiten zu, wie sie hier erreicht werden.
Bei
der unten beschriebenen Sicherung handelt es sich deswegen nicht um eine "offizielle"
Sicherung, sondern um eine Eigenkonstruktion!
Sie erfüllt ihren Zweck gut bei durchschnittlicher Nutzung. In Extremfällen
ist sie aber nicht "Narrensicher"! (Weiter unten gibt es dazu noch
ein paar Fotos...) Außerdem funktioniert sie nur
mit einem doppelten Seil zufriedenstellend! Mit nur einem Seil wird kaum eine
Bremswirkung erreicht.
Auch
in diesen Fall gilt also wie gehabt: Wir übernehmen keine Haftung für
eventuelle Sachschäden / Verletzungen.
Für die
Sicherung wird ein mittelgroßer Karabiner (Zugbelastung ca 22 kN) und
ein Stück Reepschnur mit 6 mm Durchmesser benötigt, das zu einer
Schlinge verknotet wird. Der Knoten muss natürlich sehr stabil sein,
er muss im Notfall die gesamte Bremskraft aushalten. Am besten ist es, wenn
die Enden zu einer kleinen Öse verknotet werden. Diese Öse wird
zum Abseilen in den gleichen Karabiner eingehängt, an dem auch der Achter
befestigt ist. Die Version, die wir verwenden (siehe Bild
3), ist aber nicht nötig. Die Schlinge sollte später so verknotet
werden, dass sich der Karabiner im blockierten Zustand etwa 10-20 cm über
Kopfhöhe befindet (Bild 5).
Montiert
wird die Sicherung folgendermaßen:
Nachdem man
die Schlinge in den Sicherungskarabiner eingehakt hat, hält man den Karabiner
hinter das Hauptseil und wickelt die Reepschnur vier
mal komplett um das Seil. Am besten zieht man dabei an der Öse.
Dann hängt sie später am untersten Punkt der Schlinge und im montierten
Zustand werden beide Reepschnüre gleichmäßig belastet. Nach
der vierten Windung zieht man den Rest der Schlinge nochmal nach hinten durch
den Karabiner (siehe Bild 7). Die Anzahl der
Windungen ist dabei wichtig. Bei nur drei Windungen
ist im Notfall die Bremswirkung schon sehr viel schwächer und reicht
evtl. nicht mehr aus! Das restliche Stück wird dann in den großen
Karabiner am Sitzgurt eingehängt.
Handhabung
der Sicherung:
Im Normalfall
sollte die Reepschnur das Seil nur relativ locker umschließen. Ansonsten
entsteht eine permanente Bremswirkung, die größere Sprünge
verhindert und außerdem die Reepschnur unter Umständen stark erwärmt.
(Man kann die Schnur dadurch lockern, indem man den Karabiner ein paar Mal
etwas nach oben und unten bewegt.) Beim Abseilen wird der Karabiner mit der
linken Hand etwa in Augenhöhe mitgeführt. Dabei sollten Sie darauf
achten, den Verschlussbügel des Karabiners nicht aufzudrücken, die
ganze Konstruktion nur so fest, wie gerade nötig von hinten (am Karabiner)
zu fassen und nicht ganz mit der Hand zu umschließen.
Lässt
man den Karabiner los, wird die Reepschnur straff gezogen, klemmen die vier
Wicklungen das Seil ein und die Sicherung blockiert (Bild
9). Um den Mechanismus wieder zu lösen, muss die Reepschnur entspannt
werden. Dazu umfasst man wieder den Karabiner und zieht ihn kräftig zu
sich heran. Die andere Hand muss natürlich schon wieder am Hauptseil
bremsbereit sein.... Ist die Klemmwirkung sehr stark, kann es notwendig sein,
dass man den Arm mit der Hand am Karabiner ganz ausstreckt, sich ruckartig
nach hinten lehnt und praktisch kurz am Karabiner hoch zieht. Bisher ließ
sich die Sicherung mit dieser Technik spätestens bein dritten Versuch
wieder lösen. Für den schlimmsten Fall, dass die Sicherung extrem
fest sitzt, ist es aber vielleicht trotzdem ganz nützlich, ein Messer
parat zu haben....
Das Lösen der Sicherung zeigt auch der kurze
Filmausschnitt, der unten angewählt werden kann.
Wartung:
Wie oben schon
erwähnt, ist die Handhabung dieser Sicherung nicht ganz risikolos. Die
Reepschnur wird durch die Reibung am Seil auch beim normalen Abseilen abgenutzt
und sollte auf jeden Fall häufig und regelmäßig auf verschlissene
Stellen kontrolliert und gegebenenfalls ausgetauscht werden. Vor extrem schnellen
Abstiegen sollten die Wicklungen etwas gelockert werden, um die Reibung und
damit die Wärmeentwicklung zu minimieren. Ansonsten kann - wie die Fotos
10 und 11 unten zeigen - ein einziger Abstieg reichen, um die Reepschnur für
weitere Benutzung unbrauchbar zu machen!

1:
So wird das Seil durch den Achter geführt.

5:
Von der
Seite sieht das Ganze ungefähr so aus....

6:
Alle Bewegungen
sollten kontrolliert und gleichmäßig ablaufen.

2:
Der Abseilachter von der anderen Seite

3:
Die "Bedienelemente" von oben. Wenn alles sitzt...

4:
....kann's losgehen!
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Ein
Video zu diesem Thema gibt's in der Download-Abteilung oder direkt
HIER.
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