
Hong Kong
In der Mitte der 70er Jahre erkannte man in Hong Kong, dass man auch dort auf mögliche terroristische oder schwerkriminelle Aktivitäten vorbereitet sein sollte, wollte man nicht im Ernstfall ein derartiges Fiasko erleben wie die deutsche Polizei bei der Geiselnahme während der Olympischen Spiele in München 1972. Nicht nur in Europa wurden Terrorgruppen verstärkt aktiv. Ende 1972 griffen Mitglieder der Organisation "Black September" die israelische Botschaft in Bangkok an. 1974 wurde die "Special Duties Unit" (SDU) als Bestandteil der "Royal Hong Kong Police" gegründet.
In der ersten
Zeit nach Gründung der Einheit musste man komplett auf die Ausstattung
der regulären Polizei zurückgreifen. Erst nach und nach hatte man
die Möglichkeit, die Ausrüstung derart zu spezialiseren, um auf
fast alle denkbaren Zwischenfälle angemessen reagieren zu können.
Das gleiche traf auch auf die Trainingsmethoden der SDU zu. Anfang 1978 wurde
ein mehr als 20-köpfiges Beraterteam des britischen SAS eingeladen, das
nach Vorbild der eigenen Trainingsprogramme die Mitglieder der SDU unterweisen
sollte.
1982 wurde den zwei bisher existierenden Einsatztrupps eine dritte Gruppe
zur Seite gestellt, die ebenfalls von britischen Ausbildern speziell für
Einsätze auf dem Wasser geschult wurde.
Die gesamte Einheit besteht heute aus über 100 Beamten und wird weiter
vergrößert. Die Beschaffung hochmoderner und effektiver Ausrüstung
stellt inwischen kein Problem mehr dar.
Links:
Eine SDU-Gruppe beim Training in einem Übungshaus. Die SDU ist in der
glücklichen Lage, dass der Einheit im Bezirk Fanling ein sehr großes
Trainingsareal mit mehrern kompletten Straßenzügen zur Verfügung
steht (siehe ~~~ "Training" ~~~ ).
Um der räumlichen Enge bei Operationen in Gebäuden gerecht zu werden,
benutzen die dargestellten Polizisten Maschinenpistolen des Modells "MP5K"
von Heckler & Koch. Mit einer Länge von nur 32,5 cm ist dieses kompakte
Modell für solche Einsatzzwecke besonders geignet. Die Waffen sind zusätzlich
mit einem Laser-Zielgerät und einer "SureFire"-Lampe ausgestattet.


Die SDU steht im regelmäßigen Austausch mit zahlreichen Antiterroreinheiten der verschiedensten Länder, beispielsweise australischen Einheiten, amerikanischen SWAT-Teams oder der GSG-9. Sehr wertvoll sind auch die engen Kontakte zu mehreren Fluggesellschaften und in Hong Kong ansässigen Unternehmen, die der SDU das realitätsnahe Training in Industrieanlagen und Verkehrsflugzeugen ermöglichen.


Taiwan
Nur wenige
Nationen sind so gut auf eventuelle terroristische Angriffe vorbereitet wie
Taiwan. Es existieren gleich drei militärische Einheiten mit unterschiedlichen
regionalen Zuständigkeiten. Sie gehören der Marine ("Chinese
Marine Corps Special Operations Unit") oder den Landstreitkräften
("Military Police Special Service Company"
und "Airborne and Special Warfare Command Special
Operations Unit") an. Diese Gruppen mit ihren einprägsamen
Bezeichnungen unterstehen allerdings alle gemeinsam dem Hauptquartier der
"Security Task Force" und damit direkt dem Premierminister.
Ursprünglich war die Bekämpfung von Schwerkriminalität und
Terrorismus ausschließlich Aufgabe des Militärs. Heute haben polizeiliche
Organisation die Verantwortung für diese Aufgabe. Die militärischen
Gruppen stehen aber sozusagen im Hintergrund noch als Verstärkung für
den Notfall zur Verfügung. Neben regionalen, 50 bis 100 Mann starken
SWAT-Teams in jeder der 23 Provinzen Taiwans existiert noch die 1985 gegründete
"First Peace Preservation Police Corps SWAT Unit".
Sie besteht heute aus 90 Mann, unterteilt in drei Züge. Das Hauptquartier
befindet sich nördlich von Taipei im Stadteil Shih Lin.
Das Training zur Aufnahme in die Einheit dauert 10 Monate und wird von einem
jährlichen 13-wöchigen Auffrischungslehrgang ergänzt. Diese
Zeit verbringen die Teilnehmer größenteils mit Waffentraining,
Hubschrauberzugriffen, Abseilübungen, Geiselbefreiungen und waffenlosem
Kampfsporttraining. Sonderkurse ermöglichen Weiterbildung in Sachen Präzisionsschießen,
Bombenentschärfung, Zugangssprengungen sowie Sonderfahrmanövern.


Rechts: Mit Hilfe einer Türramme verschafft sich ein Team Zutritt zu einem verschlossenen Raum. Oft wird für diesen Zweck auch handelsübliches Werkzeug wie ein Vorschlaghammer oder eine Brechstange verwendet. Stabilere Türen (und bei Bedarf auch Wände) erfordern den Einsatz von Sprengstoff. In jedem Fall kommt es darauf an, den Raum innerhalb innerhalb von ein paar Sekunden überblicken und betreten zu können. Je besser das Überraschungsmoment ausgenutzt wird, desto höher sind die Chancen, den angrenzenden Raum erfolgreich zu sichern und Widerstand im Idealfall gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Beim Eingreifen des Spezialeinsatzkommandos wurde von Straftätern schon mehr als einmal versucht, sich als Geisel ausgeben, was aus mehreren Gründen nicht gerne gesehen wird. Daher ist es keine ungewöhnliche Vorgehensweise, bei einem Einsatz vorsichtshalber zunächst alle Personen wie Verdächtige zu behandeln und zu fesseln, nicht nur die eindeutig als Täter identifizierten. Um die dadurch unter Umständen relativ große Zahl von Personen fixieren zu können, führt der Beamte unten rechts mehrere große Kabelbinder mit. Für diesen Einsatzzweck eignen sie sich besser als Handschellen aus Metall. Sie sind schnell anzulegen, beanspuchen wenig Platz und Gewicht und machen zudem keine Klimpergeräusche.
Oben:
Während des Trainings werden auch Kenntnisse der medizinischen Notversorgung
vertieft, so dass alle Beamten in der Lage sind, im Notfall Hilfe zu leisten.
In jeder Einsatzgruppe befindet sich zudem mindestens ein Mann, der eine besonders
intensive medizinische Ausbildung erhalten hat.
Links: Aufgrund der Lage Hong Kongs müssen
die SDU-Teams selbstverständlich auch auf offener See in der Lage sein,
angemessen zu reagieren. Wendige, leistungsstarke Boote ermöglichen die
schnelle Annäherung an das Ziel.
Jordanien
Stellvertretend
für die Antiterroreinheiten im Mittleren Osten soll hier die "Special
Operations Unit" (SOU) Jordaniens
vorgestellt werden. Seit Jahrzehnten ist das Land in anhaltende Konflikte
mit Israel verwickelt, nicht nur aufgrund der zahlreichen palästinensischen
Flüchtlinge im eigenen Land.
Am 6. September 1970 entführte die "Volksfront zur Befreiung Palästinas"
(PFLP) drei Flugzeuge, wovon zwei in der jordanischen Wüste landeten.
Diesen Tag, an dem die PFLP der jordanischen Führung den Krieg erklärte,
wurde als "Skyjack Sunday" bekannt. Er war der Beginn des Bürgerkriegs
in Jordanien. Der Verlauf dieses Konfliktes in den folgenden Wochen, der von
Bombenanschlägen und mehreren Morden an hochrangigen Politikern gekennzeichnet
war, führte zu der Bezeichnung "Ailul al-Aswad" - "Black
September".
Erst einige
Jahre danach wurde innerhalb des "101st Special Forces Batallion"
eine kleine Einheit zu Bekämpfung terroristischer Aktivitäten aufgebaut.
In Jordanien fällt, wie relativ oft außrehalb Europas und der USA,
die Terrorismusbekämpfung unter die Zuständigkeit militärischer
Einheiten. Als im März 1976 vier Mitglieder der PFLP das "Intercontinental
Hotel" in Amman stürmten, wurde diese Gruppe zur Befreiung der Geiseln
eingesetzt. Bei dem Angriff kamen zwei Soldaten und drei der vier Terroristen
ums Leben. Sieben Zivilisten wurden schon vor dem Eingreifen von den PFLP-Kämpfern
getötet.
Der Verlauf dieses Zwischenfalls machte deutlich, dass man in Sachen Antiterrorausbildung
noch einigen Nachholbedarf hatte. Die Einheit wurde deutlich verstärkt
und Anfang der 90er Jahre schließlich aus dem 101. Batallion ausgegliedert.
Derzeit verfügt die SOU über 100 bis 200 Mitglieder - ausschließlich
Freiwillige, aufgeteilt in Teams zu je ca. 30 Mann. Die Einheit ist in der
Region unter anderem für ihre erstklassige Kampfsport- und CQB-Ausbildung
bekannt ("Close Quarters Battle": taktisches Vorgehen in Gebäuden).
